Kann ich Geburtsverletzungen vorbeugen?

Bevor der Kopf den Scheidenausgang verlässt, kann niemand wirklich einschätzen, wie groß die Chance ist, dass Scheide und Damm intakt bleiben.

Das ist von verschiedenen Faktoren abhängig:
• Größe und Form des kindlichen Kopfes
• Durchtrittstempo des kindlichen Kopfes
• Form des Schambogens (Knochenbogen unterhalb des Schambeins)
• Höhe des Dammes (Abstand zwischen Scheiden- und Darmausgang)
• die Elastizität des Dammgewebes

Lediglich das Durchtrittstempo des Kopfes ist von der Hebamme steuerbar, indem sie die Hand auf das Köpfchen legt, wenn es geboren wird. Alle anderen Faktoren sind vorgegeben.

Es gibt Überlegungen die natürliche Elastizität des Dammes zu verbessern, indem: • die Frauen in der Schwangerschaft den Damm mit Öl massieren
• mit einem Ballon Aufdehnübungen machen
• oder die Hebamme direkt zur Geburt heiße Kompressen auf den Damm auflegt (bekannt auch als Kaffeekompressen)

Analysen der bisher gemachten Studien haben ergeben, dass die Übungen mit dem Ballon nicht zu den erwarteten Erfolgen führen.

Die Massage des Dammes in der Schwangerschaft wird von vielen Hebammen empfohlen und es gibt auch Belege, dafür, dass bei Erstgebärenden weniger Geburtsverletzungen beobachtet werden. Allerdings ist nicht klar, ob dieser Effekt aus der Massage herrührt oder vielleicht dadurch bedingt ist, dass diese Frauen sich vor der Geburt mit diesem, für sie selbst nicht sichtbaren Teil ihres Körpers intensiver auseinandergesetzt haben.

Die Massage des Dammgewebes direkt unter der Geburt hat sich nicht bewährt. Außerdem bleibt zu bedenken, dass die Beweglichkeit während der Wehen durch die Massage natürlich deutlich eingeschränkt wird und zu einem zusätzlichen Gefühl von Diskomfort führen kann.

Hebammen in Australien haben die Verwendung heißer Kompressen untersucht und festgestellt, dass sie Anspannungen der Beckenbodenmuskeln auflockern und damit zur Schmerzlinderung beitragen. Je geringer die Anspannung der Muskulatur, desto leichter dehnt sie sich ohne zu reißen. Bitten Sie einfach Ihre Hebamme bei der Geburt um diese warmen Kompressen, sie wird es gern für Sie tun.

Ob Sie sich für die eine Dammmassage oder Übungen mit dem EpiNo-Trainer entscheiden, bleibt Ihnen freigestellt. Evidensbasierte Empfehlungen können dazu bisher noch nicht gegeben werden. Gut trainierte Muskulatur zieht sich nicht nur besser zusammen, sondern dehnt sich auch besser.

Daher lohnt es sich, den Sport auch in der Schwangerschaft weiterzumachen oder sich gezielt der Beckenbodengymnastik zuzuwenden. Sie können dafür gern das Programm der Physiotherapeutin Ulla Due hier auf unserer Webseite verwenden.

Herzliche Grüße Peggy Seehafer
Hebamme
     
    

Kann ich mich nach der Geburt "enger" nähen lassen, wenn der Riss schlecht verheilt?

Viele Frauen haben das Gefühl, dass der Scheideneingang nach der Geburt "etwas weiter offen" ist.

Das Training der Beckenbodenmuskulatur die den Scheideneingang umschließt, kann die Muskeln kräftigen und dabei helfen, die gleiche Spannung im Beckenboden zurückzugewinnen, die Sie vor der Geburt hatten.

Sie können nach einer Geburt die Naht und den Beckenboden von Ihrer Hebamme, Ihrer Frauenärztin oder einer Physiotherapeutin untersuchen lassen.

Sollten die Muskeln im Beckenboden nicht gut zusammengenäht worden sein, können Sie eine erneute Operation in einer Frauenklinik oder einem Becken-bodenzentrum vornehmen lassen.

Manchmal kann es passieren, dass die Naht in den ersten Wochen nach der Geburt wieder aufgeht und dann kann es nötig sein, Ihnen eine erneute Naht an der gleichen Stelle anzubieten.

Sie sollten mit Ihrem Frauenarzt sprechen, wenn Sie denken, dass Sie ernsthafte Probleme mit Ihrer Naht haben. Sie werden sicher gefragt werden, ob Sie den Abgang von Urin und Stuhlgang kontrollieren können.
In den meisten Spezial-Abteilungen werden die Muskeln dann mit einer kleinen Sonde untersucht.

Falls es notwendig sein sollte erneut zu operieren, so kann das in örtlicher Betäubung, mit Hilfe einer PDA oder in Vollnarkose geschehen. Das hängt davon ab, wie groß die zu erwartende Operation sein würde und was Ihr Operateur für die beste Lösung hält. Nach der Operation kann es ein paar Wochen lang weh tun.

Mit freundlichen Grüßen Dr. Karl Møller Bek
Frauenarzt
 
    

Ich sehe nach der Naht "untenrum" anders aus - ist das normal?

An den Schamlippen und dem Scheideneingang kann eine kleine "Kerbe" zurückbleiben, wenn ein Dammriss nicht ganz genau zusammengenäht wurde.

Mit der kleinen Kerbe gehen keine Beeinträchtigungen beim Sex oder anderen körperlichen Aktivitäten einher.

Nachdem ich die Heilung bei so vielen Frauen nach der Geburt sehen konnte, ist ein guter Rat:
  • entspannen Sie sich und warten Sie erst einmal ab, ob es jemals wirklich stört
  • erinnern Sie sich daran, dass Ihr Körper Großartiges in der Schwangerschaft und zur Geburt geleistet hat
  • Ihr Partner ist an IHNEN interessiert und stört sich kein bißchen daran, wenn es kleine Details gibt, die jetzt etwas anders aussehen als vorher
Falls Sie sich durch die Veränderung Ihres Körper körperlich oder psychisch beeinträchtigt fühlen, so können Sie mit Hilfe kleiner plastisch-chirurgischen Eingriffen Ihren anatomischen Zustand von vor der Geburt wieder herstellen lassen. Denken Sie bitte daran, dass dies einige Monate lang mit Schmerzen einhergehen kann.

Bitten Sie Ihren Frauenarzt/ Ihre Frauenärztin um eine (fachliche) Einschätzung.

  Herzlichen Gruß Dr. Sara Kindberg
Hebamme

  

Ab wann kann ich nach der Geburt wieder joggen?

Es gibt keine offiziellen Richtlinien dafür, ab wann man nach der Geburt wieder mit dem Sport beginnen darf oder sollte.

Es gibt keine Belege, dass es schädlich wäre, aber die meisten Frauen haben ein Schweregefühl oder finden es schwer den Urin zurückzuhalten bzw. Luft und Stuhlgang zu halten, wenn sie ihre Beckenbodenmuskulatur einer zu großen Belastung aussetzen.

Es ist bekannt, dass die Beckenbodenmuskeln sich für die Geburt des Kindes unglaublich lang ausdehnen können. Frauen, die ein großes Kind geboren haben oder z.B. eine Saugglockengeburt hatten, haben eher ein größeres Risiko Inkontinenzprobleme zu bekommen. Sie haben auch ein größeres Risiko für spätere Beckenbodensenkungsbeschwerden.

Wir wissen, dass die Beckenbodenmuskeln langsamer als vorher reagieren und bis zu einem halben Jahr nach einer Geburt elastischer sind und leichter nachgeben.

Deshalb ist es besonders WICHTIG diese Muskeln nach der Geburt zu trainieren, um die alte Kraft und Spannung wiederherzustellen. Es ist definitiv eine gute Investition in den eigenen Körper, dafür zu sorgen, dass die Muskeln schnell und aktiv reagieren, während man Sport treibt.

DAHER: Laufen Sie, wenn Sie das Gefühl haben, dass es Ihnen dabei gut geht. Aber trainieren Sie unbedingt auch ihre Beckenbodenmuskeln, damit diese ihre Haltearbeit während des Laufens auch leisten können.

Herzliche Grüße Ulla Due
Physiotherapeutin
 
 
In Deutschland bezahlen die Krankenkassen für jede Frau einen Rückbildungs-gymnastikkurs, wenn er innerhalb der ersten 9 Monate nach der Geburt begonnen wird.
Und es gibt keinen Grund, diesen nicht in Anspruch zu nehmen!
Es ist eine Investition in ihre "Unterbauch-Gesundheit" und in Ihre Sexualität für die nächsten Jahrzehnte.
 
Gruß Peggy Seehafer
Hebamme
 
Das Netzwerk Frauengesundheit schreibt zum Thema Laufen/Joggen:
 
"Das Laufen ist ein optimaler Beckenbodentrainer. Der Beckenboden stabilisiert den Rumpf und nimmt den Druck auf, den die Eingeweide nach unten ausüben. Bei der Laufbewegung wird der gesamte Beckenboden unwillkürlich angespannt und damit wunderbar trainiert. Die kann positive Effekte für die Kontinenz und das Sexualleben mit sich bringen. Es leiern also keine Körperteile durch das Laufen aus."        
 
 

Wie entstehen Dammrisse?

Wenn der Kopf und die Schulter des Babys geboren werden, können oberflächliche Risse und andere Verletzungen am Scheidenausgang entstehen.
Mehr dazu finden Sie in den Erläuterungen der einzelnen Geburtsverletzungen ....

Hebammen und Ärzte haben während ihrer Ausbildung die Versorgung von Geburtsverletzungen gelernt und geübt. Die fachlichen Standards für die jeweilige Behandlung werden durch die Richtlinien der einzelnen Krankenhäuser festgelegt.
 
 

Gibt es verschiedene Arten von Rissverletzungen?

Wenn Sie Ihr Kind auf natürlichem Weg gebären, können Gewebsverletzungen in der Scheide und am Damm entstehen. Ihre Hebamme oder Ihr geburtshelfender Arzt dokumentiert in ihrem Geburtenprotokoll und auch in Ihrem Mutterpass, welche Verletzung entstanden ist und wie diese vernäht wurde.

Hebammen und Ärzte teilen die Dammrisse in verschiedene Grade ein. Ganz kleine Rissverletzungen können auch an den kleinen Schamlippen (Labien) und in der Scheide (Vagina) entstanden sein.
An den Schamlippen sind das entweder oberflächliche Abschürfungen oder kleine Hauteinrisse . Dammrisse verlaufen im Gewebe (Perineum) zwischen Scheideneingang (Vagina) und Darmausgang (Anus).

Dammrisse (DR) werden in vier Kategorien eingeteilt:
  • DR I. Grades: Oberflächliche Risse der Haut und der Scheide
  • DR II. Grades: Risse in der oberflächlichen Muskulatur rund um die Scheide
  • Dammschnitt (Episiotomie): dabei sind die gleichen Muskeln betroffen wie bei einem DR. II Grades
  • DR III. Grades: Der Schließmuskel des Enddarms ist teilweise oder ganz gerissen
  • DR IV. Grades: Zusätzlich ist noch die Schleimhaut des Enddarms mit eingerissen
Sehen Sie sich die Erläuterungen der einzelnen Geburtsverletzungen bei GynZone an, wenn Sie Bilder dazu betrachten möchten.


Wie groß ist das Risiko eines Dammrisses bei der Geburt?

bei einer normalen Spontangeburt 

Für eine Erstgebärende besteht ein 80% Risiko, dass oberflächliche oder tiefergehende Verletzungen im Bereich der Scheide oder des Dammes entstehen. Meistens entstehen oberflächliche und nur selten schwerwiegende Risse.
Die Verletzungen verteilen sich folgendermaßen (2012):
  • Kleiner Dammriss (I.Grades) ca. 17,4%
  • Dammriss II. Grades ca. 18,4%
  • Dammschnitt (Episiotomie) : ca. 24,9%
  • Verletzung des Schließmuskels (DR III. Grades) ca. 1,2%
  • Verletzung der Darmschleimhaut (DR IV. Grades) unter 0,1%
Ihr individuelles Risiko für eine Dammverletzung hängt aber vom Verlauf der Geburt, der Größe Ihres Babys, vorangegangenen Verletzungen und vielen anderen Faktoren ab.

bei Geburtsbeendigungen durch Vakuum oder Zange 

Das Risiko für eine Dammverletzung bei operativen Geburtsbeendigungen ist höher. 
  • Kleiner Dammriss (I.Grades) ca. 6,8%
  • Dammriss II. Grades ca. 16,8%
  • Verletzung des Schließmuskels (DR III. Grades) 5,1%
  • Verletzung der Darmschleimhaut (DR IV. Grades) 0,5%

Die Hebamme oder der geburtshelfende Arzt werden in Ihrer speziellen Situation entscheiden, welches die beste Behandlung für Sie ist. Wenn die Verletzung nur sehr oberflächlich ist, ist eine Naht nicht unbedingt erforderlich.
 
 

Wann ist ein Dammschnitt notwendig?

Die Hebamme oder der Arzt entscheidet im Moment der Geburt,ob es wirklich notwendig ist einen Dammschnitt anzulegen (in der Fachsprache auch Episiotomie oder Epi genannt).

Ein Grund für einen Dammschnitt könnte sein, dass Ihrem Baby ein Sauerstoffmangel droht und die Geburt deshalb schnell beendet werden muss. Manchmal ist ein Dammschnitt auch notwendig, weil das Dammgewebe zu unnachgiebig ist und sich nicht genügend dehnt, um das Baby von selbst herauszulassen.

In Dänemark wird der Dammschnitt nur selten angewendet, weil wissenschaftliche Studien ergeben haben, dass sie häufiger mit ernsthaften Verletzungen des Schließmuskels einhergehen.

Aus unserer Forschung rund um die Nahtversorgung wissen wir auch, dass Frauen mit einem Dammschnitt unter stärkeren Schmerzen in der Heilungsphase leiden, als jene mit einem spontan entstandenen Dammriss.


Wie lange heilt meine Dammverletzung?

Durch die Schwangerschaft wurde Ihr Körper darauf vorbereitet schnell zu heilen. Ihr Immunsystem arbeitet effizienter als zuvor und Wunden heilen im Verlauf weniger Wochen nach der Geburt oder nach einem Kaiserschnitt.

Rissverletzungen der Schamlippen oder in der Scheide verheilen sogar im Verlauf weniger Tage.Sie führen nur selten zu größeren Problemen als Brennen beim Wasserlassen in den ersten Tagen nach der Geburt.

Die am häufigsten auftretenden typischen Schmerzen sind Schmerzen im Wundbereich in den ersten Tagen nach der Geburt. Die Stelle kann geschwollen und druckempfindlich sein. Daher ist es sinnvoll sich zu entspannen und den Körper zu entlasten.

Kühlende Vorlagen können Schmerzen vorbeugen und die Schwellung abklingen lassen.

Dänische Studien ergaben, dass ca. 2% der Nähte von Dammschnitten später erneut genäht werden müssen, weil sie nicht optimal verheilt sind.
Nur ganz wenige Frauen berichten von länger anhaltenden Problemen, wie Schmerzen im Narbengewebe oder Inkontinenzproblemen von Blase oder Darm.
Falls Sie eines dieser Probleme plagt, wenden Sie sich bitte an Ihren Frauenarzt.



Soll ich mich lieber für einen Kaiserschnitt anstelle der normalen Geburt entscheiden?

Wir empfehlen heute den allermeisten Frauen eine Geburt auf natürlichem Weg. Ein geplanter Kaiserschnitt kann praktisch ohne Komplikationen für Mutter und Kind durchgeführt werden. Allerdings gibt es bei einer Operation immer ein leicht erhöhtes Risiko für Komplikationen gegenüber einer Geburt auf natürlichem Weg.

Ein Kaiserschnitt vermeidet Rissverletzungen in der Scheide und dem Damm. Im Gegensatz dazu müssen Sie aber eine Wunde im Bauch in Kauf nehmen. Ein Kaiserschnitt kann Problemen mit Harninkontinenzproblemen im späteren Leben nicht vorbeugen. Neue wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass die Schwangerschaft selbst der wichtigste Risikofaktor für die nachfolgenden Probleme darstellt.

Konkreten Rat und Hilfe für Ihre persönliche Situation erhalten Sie bei Ihrer Hebamme oder Ihrem Frauenarzt.


Kann man mit Himbeerblättertee die Geburt beschleunigen und Dammschnitte vermeiden?

Himbeerblättertee gehört zu den populären Empfehlungen deutscher Hebammen für schwangere Frauen. 
Es heißt, wenn eine Frau in der Schwangerschaft regelmäßig Himbeerblätter zu sich nimmt, kann sie die Geburt verkürzen und die Wehen sind leichter auszuhalten. Einige Kräuter-Webseiten versprechen sogar eine geringe Frequenz von Episiotomien. Es gilt als Allgemeinwissen, dass Himbeerblättertee während der Geburt die Austreibungsphase und die Nachgeburtsperiode verkürzt und damit das Risiko einer nachgeburtliche Blutung reduziert.

ALLLERDINGS: Für eine Empfehlung von Himbeerblättern fehlt jede wissenschaftliche Grundlage. Studien ergaben keinen Effekt. Es gibt auch keinen Nachweis für ein Risiko einer Überstimulation der Gebärmutter. Deshalb sollten Frauen nicht verunsichert werden.  (siehe Artikel in DHZ 03/2015)